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Jahrzehntelang war die Musikschule eher provisorisch untergebracht. Jetzt hat sie ein eigenes Zuhause. Auch Gruppenunterricht ist möglich.
Von Karsten Kolloge GANDERKESEE -
„Eine lange Odyssee hat ihr Ende gefunden.“ Rafael Jung, Leiter der Musikschule für den Landkreis Oldenburg, strahlt Zufriedenheit aus. „Optimal“ findet er, was in Folge der Schulstrukturreform quasi nebenbei für die Musikschule „abfiel“: Weil die Real-schule innerhalb des Schulzentrums umzog, wurden die gemeindlichen Räume der bisherigen Realschul-Verwaltung frei – und der Musikschule gegen Erstattung der Betriebskosten überlassen.
Das neue „Zuhause“ biete bislang kaum geahnte Chancen, freut sich Jung. In den vergangenen Jahrzehnten war die Musikschule, was ihre Räume angeht, nicht eben verwöhnt. Ein Beispiel: Als Jung 1983 als Klavierlehrer anfing, wurde im Arztzimmer des Gymnasiums in die Tasten gegriffen. Ähnlich sei es auch in anderen Orten des Landkreises gewesen, erinnert sich Jung: Nachmittags durfte in Schulen der Musikunterricht stattfinden, dann wurde das Schlagzeug aus der Abstellkammer geschlurt, das Klavier stand meist „irgendwo an der Wand“. Vorübergehend konnte sich die Musikschule in Ganderkesee vor einigen Jahren verbessern, sie zog in die ehemalige Hausmeisterwohnung Am Steinacker. Zuletzt war sie wieder im Gymnasium und im Haus Müller untergebracht.
Doch all das ist Geschichte: Im Sommer 2005, also parallel zur Privatisierung der Musikschule, begann der Umzug in die Ex-Verwaltungsräume. Sechs Zimmer stehen dort zur Verfügung, ferner gibt es einen Aufenthaltsbereich. Jetzt kann die Musikschule anbieten, was (wegen wirtschaftlicher Anforderungen) zum neuen Konzept zählt: Gruppenunterricht. Denn der, so Jung, „erfordert eigene Räume“. Erste Möbel für die neuen Räume hatte die Musikschule noch von der Realschule übernommen, weitere wurden gespendet oder gekauft. Jetzt fehlen noch Gardinen („da gehen wir in den Ferien dran“) und ein bisschen Deko. Auch Außenschilder „sind in der Mache“, sagt Jung. Erfreut stellt der Musikschulleiter fest, dass sich Mitarbeiter und auch Schüler bereits für „ihr“ neues Domizil engagieren.
Jung ist optimistisch, dass dieses neue Zuhause der Musikschule einen Aufwind beschert – wobei er die Situation in Ganderkesee mit direkter Nähe zur Musikschule Delmenhorst und einer privaten Musikschule im Ort „speziell“ nannte. Eines sei bereits sicher: Die Big Band der Musikschule ziehe im Januar von Wildeshausen nach Ganderkesee um. Dafür gibt es (außer den neuen Räumen) noch einen anderen Grund: „Mehr als die Hälfte der 18 Mitwirkenden sind Ganderkeseer.“
15 Lehrer geben zurzeit bei der Kreisjugendmusikschule in Ganderkesee 330 Schülern Unterricht (zum Vergleich: Ende 2004 waren es 337 Schüler; Ende 2003 359 Schüler; Ende 2002 302 Schüler). Folgende Instrumente bzw. Fächer werden unterrichtet (in der Reihenfolge der Beliebtheit): Keyboard, Klavier, Gitarre, Blockflöte, Musikalische Früherziehung, Akkordeon, Schlagzeug, Violine, Klarinette, Saxophon, Gesang, E-Gitarre, Querflöte, Trompete, Tuba. Ferner wirken 50 Schüler in Bläserklassen (in Kooperation mit dem Gymnasium) mit.
NWZ 21.12.2005
